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Und das sind die Zutaten für eines der erfolgreichsten Musicals aller Zeiten?

Ja, und das zu Recht. So hat das Musical nunmehr 30 Jahre auf dem Katzenbuckel und nie hat man als Beobachter der Katzenbande das Gefühl, es sei in die Jahre gekommen. Zeitlose Klassiker, ohrwurmige Melodien schleichen sich auch noch Wochen später durch das Ohr. Man wird förmlich überrannt von der Dichte der Aktionen auf der Bühne, der zumeist zeitgleich agierenden Charaktere. Man ist fasziniert von den strikt durchchoreographierten Bewegungen aller Katzen, die selbst dann agieren, wenn sie gar nicht im Fokus des Beobachters stehen. Keine Geste ist dem Zufall überlassen, keine der Katzen macht in der über zweistündigen Vorführung je den Eindruck, als wüsste sie sich nicht zu beschäftigen. Trotz der Erwachsenen in Katzenkostümen käme man nie auf die Idee, dass dies kitschig oder kindlich wirkt – im Gegenteil. Bis auf eine Pfote voll Ausnahmen sind die Bewegungen, Gesten und Mimik der Katzen zurückhaltend, nachvollziehbar, lassen sowohl Mensch und Katze die Würde und erdrücken den Besucher nicht mit gezwungenem Gebaren der anthropomorphen Vierpfoter.

Man gesteht den Katzen durchweg das frivole Wesen zu, was den Beobachter, neben den ohnehin schon vereinnahmenden Bildern und Klängen, zu manch lüsternem Gedanken verführt. Welch Kater kann leugnen, dass ihm die kleine Victoria über die gesamte Vorstellung hinweg zum Träumen verleitet, des Katers Gedanken raubt und ihn zum ganz persönlichen Jellicle-Ball begleitet, auf dass sie den Streuner Plato so schnell wieder vergisst wie sie sich ihm in den ersten Momenten neuer Begierden hingab? Welch Männchen wäre nicht gern der Macavity, den Demeter und Bombalurina lasziv gebärdend besingen? Ja, die zwei haben einen Hüftschwung…

Wenn man Cats hört, hat man große Erwartungen.

Ob diese erfüllt werden, hängt in erster Linie von einem selbst ab. Die durch den enormen Erfolg der letzten Jahrzehnte völlig überzogene Erwartungshaltung erdrückt das Musical beim ersten Besuch ein wenig, da der erste Akt (so viel Objektivität muss sein) recht zusammenhanglos ist und dem nach dem Sinn forschenden Zuschauer in der ersten halben Stunde den Blick für das Eigentliche verwehrt. Erst mit dem zunehmenden Handlungsverlauf und -Tempo findet der Cats-Neuling in das Geschehen, findet auch endlich Zeit für die detaillierten, liebevollen Kostüme und traut sich, abseits des Katzentreibens auf Entdeckungsreise zu gehen. Erst ab der zweiten Hälfte des Musicals (inklusive dem Jellicle-Ball) erfasst man die genialen Choreographien der zweibeinigen Vierpfoter in Kombination zur mitreißenden Musik, die, vom unzüchtig vorgetragenen Macavity über den immer wieder magischen Mistoffelees, ihren Höhepunkt in Grizabellas „Erinnerung“ findet. Und erst wenn Old Deuteronomy noch einmal zusammenfasst, worauf es beim Ansprechen einer Katze ankommt, erkennt man die wahre Bedeutung dieses Musicals – ein Moment aus dem Leben einiger Katzen. Alles was von nun an bleibt ist die Frage, wann und wo man das Musical ein weiteres Mal sehen kann.

Wenn das Warten auf die nächste Cats-Show zu lange dauert, lässt sich diese mit der gleichnamigen DVD vertreiben, die wider Erwarten das Gefühl eines Musical-Besuches recht gut transportiert. Zudem bekommt man mit mehrmaligem Schauen die Gelegenheit, die vielen kleinen Besonderheiten in den Aktionen der Katzen zu entdecken, die im allgemeinen Getümmel der Gruppe nie auf einmal erfasst und beim ersten Mal nicht wahrgenommen werden können.

Copyright 2014 by Jen Philpot

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